In der letzten Nacht hatte ich mal wieder eine totale Hyperfokusphase. Ich habe gleich 2 Lieder von Reinhard Mey ins Englische übersetzt, weil ich die einfach so wichtig und genial fand. Ich wollte meine Freunde im Ausland befähigen, solche Texte auch zu verstehen und ihre Message weiterzugeben!
Erstmal habe ich das einfach bei Facebook hochgeladen, weil ich dachte, dass es da die meisten Leute – vor allem im Ausland – sehen werden.
Jetzt denke ich aber, dass ein kurzer Blogeintrag dazu vielleicht auch nicht so dumm wäre. Mache ich selten genug! Hier also die Texte plus Originaltext und Video. Für den Gesamteindruck sozusagen…
Last night I had another hyperfocus session. I basically had to translate 2 of my favorite songs by German Singer-Songwriter Reinhard Mey. I think they are pure genius and I just had to make it possible to share their lyrics and the included message with my friends worldwide. So I translated them in English and put them on Facebook. But then I thought I could also make a blog entry out of this. I am not writing on here enough anyway. So now you will find a video, the original lyrics and my translation below…
Das Narrenschiff – Ship of Fools
Deutscher Text ( Original von Reinhard Mey)
Das Narrenschiff
Das Quecksilber fällt,die Zeichen stehen auf Sturm,
nur blödesKichern und Keifen vom Kommandoturm,
und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
…
Und Rollen und Stampfen und schwere See,
die Bordkapelle spielt: Humbatätärää,
und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere vergilbt,
die Lenzpumpen lecken und die Schotten blockiert,
die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum,
und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten.
(Refrain:) Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken,
und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
die Mannschaft: lauter meineidige Halunken,
der Funker zu feig um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff, volle Fahrt voraus
und Kurs aufs Riff!
Am Horizont Wetterleuchten; die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfallspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
auf die Sandbank bei der wohlbekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig spielt Automatenbaron,im hellen Licht,
niemand muss sich im Dunklen rumdrücken.
In der Bananenrepublik wo selbst der Präsident,
die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.
Der Steuermann
lügt…
Man hat sich glattgemacht, man hat sich arrangiert,
all die hohen Ideale sind havariert,und der grosse Rebell, der
nicht müd wurde zu Streiten,
mutiert zu einem servilen, giftigen Gnom,und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom seine Lieder,
fürwahr! Es ändern sich die Zeiten.
Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
gekauft, narkotisiert und flügellahm.
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentieren sich keck,
mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen!
Der Steuermann lügt…
Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier,
er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir,
im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck,
und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchten Mast:
Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht,
sie ziehen wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist als hätten alle den Verstand verloren,
sich zum Niedergang und zum Verfall verschworen,
und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.
Der Steuermann lügt…
lalalalala….
Der Steuermann lügt…
My translation
Ship of Fools
The mercury falls, the signs show storm,
there’s only imbecile giggling and bickering from the commando tower
and a muffled grinding rumbles from the engine room.
And rolling and stomping and heavy sea
the ship’s band plays a humpa toodleloo
and mad laughter sounds from the latrine.
The load is rotten, the papers are yellowed, the bilge pumps leak, the compartements are jammed, the hatches are wide open and all alarms are ringing.
The Sea is beating head-high into the stowage, St. Elmo’s fires lick from the derrick,
but no-one onboard can read the signs.
Refrain: The Navigator lies, the captain is drunk and the machinist is lost in gloomy lethargy.
The crew are all perjurious wretches, the radio operator too cowardly to send SOS.
The ship’s cobold leads the ship of fools full speed ahead on course for the reef!
On the horizon heat lightning and the signs of the time: infamy, greed and vanity.
On the bridge ninnies and jays romp about.
In the murkiness the sharp-toothed shark is fishing, avoiding the tax, sneaking his catch into his lair at the sandbank by the infamous treasure island.
The other money launderers and whoremongers are already waiting, the brothel king acts as slot-machine baron, out in the spotlight – no-one has to lurk about in the dark.
In the Banana Republic, where even the president has lost his shame and doesn’t know any scruple to decorate himself with a tax evader in his entourage.
Refrain: The Navigator lies…
One has flatten oneself and arranged with it all, all the high ideals are crushed and the big rebell who was never to tired to to argue, mutated to a servile, resentful gnome and sings his songs lamb-like before the terrible old man in Rome. Indeed, times are changing!
Once young wild-ones are obedient, devout and tamed – bought, narcotized, flightless. They traded velvet paws for there once so fierce claws.
And on the upper deck vain doters show up saucily, always with way to young women , who warm their flabby limbs and chew their meals for them.
Refrain: The Navigator lies…
They prepare against their foes, but the foe has already arrived, he has his hand at your throat, he stands behind your back. Covered by all the paragraphs he shuffles the marked cards.
Everyone can see him, but everyone looks away, and the obscurantist leaves his hiding place and deals in plain view in front of the daycare building.
From the crow’s nest on the highest mast you hear: the end is near!
But they are petrified and cannot hear him, they march along like lemmings in spineless hordes.
It’s like everyone’s lost their minds, plotted demise and decay and a spook-light has become their beacon.
Refrain: The Navigator lies…
lalalalala….
Sei wachsam – Be vigilant
The Original Lyrics ( by Reinhard Mey)
Sei wachsam
Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen,
…Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen,
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen,
Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen.
Und ich denk’ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück.
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen,
Sie nennen es das Volk, aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen: Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, — ich halt’ sie arm!
Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!
Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten.
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten.
Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln,
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln:
Der Medienmogul und der Zeitungszar,
Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und guten Sitten,
Doch ihre Botschaft ist nichts als Arsch und Titten.
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote,
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote.
Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht:
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!
Refrain: Sei wachsam…
Es ist ‘ne Riesenkonjunktur für Rattenfänger,
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger,
‘ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher, Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher.
Und die sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt,Und nach den schlimmsten werden Straßen und Flugplätze benannt.
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber läßt man laufen, Kein Pfeifchen Gras, aber ‘ne ganze Giftgasfabrik kannst du kaufen.
Verseuch’ die Luft, verstrahl’ das Land, mach ungestraft den größten Schaden,
Nur laß dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau’n,
Und die Polizei muß immer auf die Falschen drauf hau’n.
Refrain: Sei wachsam…
Wir ha’m ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantieren. Was hilft’s, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren,
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich, Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und heim ins Reich!
„Nie wieder soll von diesem Land Gewalt ausgehen!”„Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!” „Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!” „Kampfeinsätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen.”
Sie zieh’n uns immer tiefer rein, Stück für Stück,
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück!
Refrain: Sei wachsam…
Ich hab’ Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen,
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen,
Und verschon’ mich mit den falschen Ehrlichen,
Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
Ich hab’ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit,
Nach ‘nem bißchen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit.
Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu lachen,
Sie wer’n dich ruinier’n, exekutier’n und mundtot machen,
Erpressen, bestechen, versuchen, dich zu kaufen.
Wenn du die Wahrheit sagst, laß draußen den Motor laufen,
Dann sag sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.
Refrain: Sei wachsam…
My translation
Be vigilant
An election poster ripped on the wet grass.
They grin at me, those old softened buzzwords.
The faces of old men cheated as young,
who hype the middle ages as progress.
And I think every step to promised happiness,
is a step to forever yesterday, a step back.
How they urge the people to prudence and sacrifices!
They call them the people but they mean subjects.
All the hoodwinking and crawling is no longer bearable,
When you learn to translate what they really say:
The minister takes the bishop by the arm and whispers:
Keep them stupid, I’ll keep them poor!
Be vigilant,
Remember the words!
Be vigilant,
Don’t fall for them! Make sure you use your freedom, your freedom will be abused if it isn’t used!
Be vigilant,
Remember the faces!
Be vigilant,
Keep your courage!
Be vigilant
and be on guard!
You turn on the TV and they cry for the good old values.
Their good old values are almost always the wrong ones.
And those, who impertinently flap about in talkshows,
are those who step on all values with their feet.
The media mogul and the newspaper tsar –
the worst set of foxes to keep the geese – oh joy!
They call for the crucifix, customs, good manners,
but their message is nothing but ass and tits.
Brutalization, stultification and violence are their commandments. Circulation and viewing figures are their gods.
They bend the truth and twist the law:
All these good old values – really – this makes me sick!
Refrain: Be vigilant…
It is a huge boom for all the Pied Pipers, freeloaders and bribe takers,
a time for self-service and wheeler-dealers; hypocrisy, simulation and position deal-making.
And all of them are of high renown and fully approved
and after the worst of them they name streets and airports.
They catch the rustler, but the gunrunner is turned loose.
Can’t buy a pipe of wheat here but a toxic gas factory.
Pollute the air, contaminate the land, do the worst harm unpunished.
But don’t get caught at sit-ins!
They seize green peacers but polluters are trusted.
And the police has to bully the wrong ones.
Refrain: Be vigilant…
We have a constitution, that is supposed to guarantee a state of law.
What is it worth, if they manipulate it to their liking,
the agitators, who always talk about the peace mission,
but under the table they rattle busily with their swords?
The old sparkle in their eyes at the Great Tattoo.
About face! Forward, march!
A song and then advance back into old German homecountry! (Heim ins Reich!)
„Nevermore shall from this land violence be send upon the world!“
„We need to show our colours, can’t stand by!“
„Just humanitary and without any bloodshed!“
„ Battle action can’t be entirely ruled out!“
They pull us deeper bit by bit!
And since this morning at 5 o’clock we again shoot back!
Refrain: Be vigilant…
I long for people who don’t deceive me,
who don’t lie to me with every formal speech.
Spare me from those fake honest men.
The fake honest ones are the true dangers!
I long for a piece of thruthfulness,
for a bit of spine in this bent time.
But tell the truth and you will laugh no longer,
they will ruin and execute you and gag your mouth.
Will try to extort you, blackmail you, they will try to buy you.
If you tell the truth then let the motor run outside,
then say it loud and quick, cause the saying teaches:
He who tells the truth needs a damn fast horse.
Refrain: Be vigilant…
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